Burnout bei jungen Müttern

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Burnout bei jungen Müttern

Es ist keineswegs ein Einzelfall, viele Mütter fühlen sich vierundzwanzig Stunden am Tag fremdbestimmt. Sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr. Expertinnen warnen schon lange vor Mehrfachbelastungen und Gesundheitsgefahren von jungen Müttern: 11 Prozent der Frauen-Krankenstände sind psychischer Natur. Ein neues multidisziplinäres Hilfsangebot für Frauen in Wien soll helfen, den Burn-out zu verhindern. Dort können sich Mütter informieren, was sie für sich tun sollten, um dem Burnout zu entkommen.

„Wir halten das Vorbild einer Mutter hoch, die voll Liebe, Verständnis, Zärtlichkeit, Toleranz, Zurücknahme und Opfer verkörpert“, beschreibt die Wiener Arbeitsmedizinerin und Internistin Univ. Prof. Dr. Jasminka Godnic-Cvar das idealisierte Bild. „Gleichzeitig aber soll sie in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz engagierte Karierefrau sein, verhandlungs- und entscheidungsfähig, kreativ, kritisch, effizient, vorbildlich und mächtig – immer jedoch mit dem Gedanken an die liebe Familie.

Und noch mehr – attraktiv, feminin, zärtlich, herausfordernd, tolerant und gewinnend.“ Kein Wunder, so die Expertin, dass bei einem derartigen Anspruchsspektrum rasch aus der Superfrau eine vom Burnout gefährdete Dulderin würde, wie auch die Statistik zeigt: Bei Frauen stehen psychische Probleme als Ursachen für Krankenstände mit 11 Prozent bereits an dritter Stelle – bei Männern sind es nur sechs Prozent.

Burn-out – längst keine Manager-Krankheit mehr

Burn-out hängt mit der Komplexität von Aufgaben und mit Zeitdruck im Job zusammen. „Deshalb sind vor allem Menschen in sozialen Berufen, Führungskräfte, aber auch mehrfach belastete Mütter besonders betroffen“, warnt Prof. Godnic-Cvar. „Mütter haben oft Zeitdruck. Die Komplexität der Aufgaben ist dadurch bedingt, dass man sich ständig um die verschiedensten Belange kümmern muss. Generell sind Frauen daher stärker Burn-out-gefährdet.“

„Eine Reihe von Studien belegen die wichtige Rolle des Arbeit- Familien-Konflikts für den negativen Effekt von Arbeitsbelastungen auf die individuelle psychische und physische Gesundheit vor allem, von Frauen“, beschreibt die Klinische Psychologin Mag. Andrea Egger den Stand der Forschung in Sachen Mehrfachbelastung und Gesundheit. „Es zeigt sich, dass insbesondere der Spill-Over negativer Emotionen aus dem Arbeitsleben in das Familienleben den Konflikt zwischen arbeitsbezogenen und familienbezogenen Rollen verschärft.“ Frauen seien, gekennzeichnet durch eine Doppelbelastung Beruf-Familie, von diesen Belastungen weit mehr betroffen. „Aus der Rolle zwischen Job, Hausfrau und Mutter ergeben sich Konfusionen, die zu bewältigen in vielen Fällen nur schwierig bis gar nicht möglich ist.“

Eine verbreitete Folge der unbewältigbaren Anforderungen ist das Burn-out-Syndrom: Zu Beginn werden vermehrt erhöhte Fehleranfälligkeit, Müdigkeit und Interessensverlust beschrieben. In weiteren Phasen erleben die betroffenen Depersonalisationsgefühle, innere Leere bis hin zu Verzweiflung und Depressionen. Klassische Symptome sind abrupte Stimmungsschwankungen, Ruhelosigkeit, Pessimismus, Vorwurfsverhalten oder Intoleranz.

Schließlich baut der Betroffene immer mehr ab: Typische Erscheinungen sind unbefriedigende Organisation, verringerte Motivation und Kreativität. Das emotionale, soziale und geistige Leben verflacht. Traten Schlafstörungen, Magen- und Herzschmerzen oder Verdauungsbeschwerden bislang nur zeitweise auf, sind sie nun als ständige psychosomatische Reaktionen wahrnehmbar.

„Gerade die mehrfach belasteten Frauen gilt es hier besonders zu stützen und zu schützen“, so Mag. Egger. „Durch gezielte multidisziplinäre Intervention ist es möglich, diesen Patientinnen zu helfen, ihre Ressourcen neu zu finden und die Batterien wieder aufzuladen.“

Rechtzeitig Hilfe holen

Prof. Godnic-Cvar appelliert daher an Frauen, rechtzeitig Hilfe zu holen, um den gefährlichen Kreislauf zu unterbrechen. „Frau muss das nicht alleine schaffen. Wichtig ist, sich Hilfe zu holen, die Probleme zu besprechen, sich beim Zeitmanagement, in Konflikten mit den Kindern, den Arbeitskollegen, dem Chef oder dem Partner helfen zu lassen.“

Noch besser ist es, die schier endlose Belastungsspirale erst gar nicht aufkommen zu lassen. Dafür haben Expertinnen und Experten drei (scheinbar) einfache Regeln parat:

1. Gönnen Sie sich mehr Zeit für sich – ohne schlechtes Gewissen

Selbstfürsorge ist unglaublich wichtig. Auf den Punkt gebracht: Geht es der Mutter gut, geht es dem Kind gut.

2. Sagen Sie nein, grenzen Sie sich ab

Auch wenn es die Harmonie stört, Sie müssen Grenzen aufzeigen. Das gilt dem Partner ebenso, wie dem Kind. Auch Sie müssen Ihre Bedürfnisse wahren, es ist kein Platz für ewig selbstloses Handeln aus schlechtem Gewissen heraus, auch Harmoniesucht führt in eine Sackgasse.

3. Lernen Sie Stressquellen kennen und entschärfen Sie sie

Auch wenn es gar nicht einfach ist, die wahren Stressauslöser immer zu umgehen, so sollten sie doch identifiziert und klar definiert werden. Dann gilt es einen Plan zu entwickeln, wie Sie damit umgehen können, was für Sie akzeptabel ist. Auch das gilt für den Umgang mit ihrem Kind genau so, wie mit ihrer Umgebung, egal, ob privat, oder am Arbeitsplatz.

Anwendung

In Wien gibt es seit einiger Zeit eine neue Anlaufstelle, die genau auf diese Fragen spezialisiert ist. Das Frauen-Team MUT ist eine Arbeitsgemeinschaft, die sich aus drei Frauen zusammensetzt: Eine Medizinerin, eine Psychologin und eine Mediatorin haben ein neues multidisziplinäres Behandlungskonzept entwickelt, um gerade diesen betroffenen Frauen unter die Arme zu greifen, ihnen wieder Mut zu machen und Kraft zu geben, um ihr Leben neu genießen zu lernen. (Update: derzeit ist diese Initiative nicht mehr aktiv – Stand 08/2019)

„Brauchen Sie vielleicht Hilfe um zu überlegen, was Sie eigentlich in Tränen ausbrechen lässt bei Kleinigkeiten? Warum Sie plötzlich alles so über haben? Warum Sie sich gar nicht überwinden können Ihre Mutter anzurufen? Warum Sie Ihre Kinder nicht genießen können?

Vielleicht ist es Müdigkeit, Erschöpfung? Vielleicht steckt etwas Harmloses dahinter, vielleicht etwas sehr Schwerwiegendes“, so die Mediatorin Martina Luger. „Vielleicht lässt es sich ändern? Finden Sie es heraus!

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Quellen:

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Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

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