Pestizide, Fungizide & Co. – Giftcocktail im Gemüse

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (6 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 Sterne von 5)

Pestizide, Fungizide & Co. - Giftcocktail im Gemüse

Es ist schon ein Drama, prinzipiell ist Obst sehr gesund, durch die Belastung mit Schadstoffen, schaden wir unserem Organismus beim Konsum mitunter vielleicht mehr, als wir ihm nutzen. Regelmäßig weist in Österreich die Arbeiterkammer bzw. das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Deutschland Rückstände in Obst un Gemüse nach.

Bei Obst aus konventionellem Anbau ist von einem regelrechten Schadstoffcocktail aus Schädlingsbekämpfungsmitteln (Glyphosat, Fosetyl) und Schwermetallen (z.B. Quecksilber) die Rede. Belastungen in Obst und Gemüse sind nichts Neues, doch das Ausmaß der Schadstoffinhalte gibt nun allerdings wirklich Anlaß zur Sorge.

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 deckte im Jahr 2007 einen Lebensmittelskandal bei aus Spanien importierten Paprika auf. Die Organisation hatte zehn Kilogramm spanische Paprika aus den fünf größten heimischen Supermarktketten testen lassen und massive Belastungen mit Pestiziden gefunden. Unter den am häufigsten gefundenen Wirkstoffen befinden sich Stoffe wie Cypermethrin, Procymidone, Iprodione. Diese Stoffe sind toxisch, können krebserregend wirken und das Erbgut, die Fruchtbarkeit oder das Nervensystem von Menschen und Tieren schädigen.

Pestizidrückstände in vielen Lebensmitteln

Pestizidrückstände findet man allerdings auch mittlerweile schon in fast allen konventionell (= nicht Bio) hergestellten Lebensmitteln. In mehr als 40 % der in Österreich untersuchten Lebensmittel befanden sich Pestizide, in 10 % fand man sogar Höchstwertüberschreitungen. Durchschnittlich ist jedes 4. in Österreich hergestellte Lebensmittel kontaminiert und fast jedes 2. ausländische Produkt.

Die Europäische Kommission stellte im August 2001 den Bericht „Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln 1999“ vor. In diesem Bericht werden die Analysen von 40.000 Lebensmittelproben (Obst, Gemüse, Getreide) aus den Mitgliedstaaten veröffentlicht. Die Daten der Untersuchungen in Österreich zeigen für das Jahr 1999 laut einer Anfrage der
Abgeordneten Dr. Gabriela Moser an den Bundesminister für soziale Sicherheit und Generationen folgende Ergebnisse:

  • 39,9 % der Obst- und Gemüseproben waren mit Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln belastet.
  • 11% der Proben lagen über dem jeweils zulässigen Grenzwert.
  • 85% der Proben wiesen Rückstände von mehr als einem Schädlingsbekämpfungsmittel auf.

Giftstoffe in den Lebensmitteln sind allgegenwärtig

Das Problem der Giftstoffe in den Lebensmitteln ist allgegenwärtig, wie auch laufende Kontrollen zeigten. Bei flächendeckenden Untersuchungen wurden erst im Herbst bei so ziemlich allen im Supermarkthandel erhältlichen Gemüse- und Obstsorten, die konventionell angebaut wurden, Pestizidrückstände entdeckt.

Kinderlos durch Pestizide – Umweltmediziner warnt vor Genuss von belastetem Gemüse und Obst

Es sei Kenntnisstand der Wissenschaft, dass die Pestizide auf den Hormonhaushalt wirken und „Regelkreise im Körper“ stören. Eine wesentliche Folge der permanenten Aufnahme von Pestiziden sei eben eine mögliche Unfruchtbarkeit, die in zunehmendem Maße in den Industrieländern, aber auch speziell bei Bauern, die mit Pestiziden hantieren, zu beobachten sei.

Die Wahrscheinlichkeit, kinderlos zu bleiben, habe sich seit den Sechzigerjahren verdreifacht. Die Schadstoffe wirken aber auch auf das Zentralnervensystem, was wiederum Schlafstörungen und psychische Erkrankungen auslösen könne, so der Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg.

Als gesichert gelte auch, sagt Rhomberg, dass die Aufnahme von Pestiziden mitverantwortlich für die Entstehung von Krebserkrankungen (Brust, Hoden, Prostata) sei. Weniger gefährlich, aber überaus unangenehme weitere Folgen: Schlaflosigkeit und Allergien. Rhomberg: „Es ist völlig neu, dass plötzlich 50- oder 60-jährige Menschen Allergien entwickeln.“

Grenzwerte und der „Cocktail-Effekt“

Bei Pestizidrückständen in Lebensmitteln existieren für Einzelwirkstoffe gesetzliche Grenzwerte. Grenzwerte sind allerdings keine wissenschaftlich gesicherten Naturkonstanten, sondern politisch festgelegte Werte von primär juristischer Bedeutung. Sie haben nur bedingt eine medizinische Aussagekraft über die gesundheitliche Auswirkung einer Exposition. Speziell für Langzeitfolgen fehlen auch vielfach Daten über die Auswirkungen der Pestizide.

Ausserdem kann die Überschreitung eines Grenzwertes umgangen werden, wenn verschiedene Wirkstoffe eingesetzt werden. Jeder Einzelwirkstoff bleibt so unter der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwert. Pestizide gelangen allerdings aufgrund der Anwendung nicht als Einzelsubstanzen in die Umwelt, sondern es wird meistens ein ganzer „Cocktail“ von Spritzmitteln auf die Pflanzen aufgetragen.

Solche Kombinationen von zT. sehr vielen unterschiedlichen Wirkstoffen besitzen vielfach eine erheblich höhere Giftigkeit. Auch wenn alle Substanzen unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Rückstandshöchstwerte sind, können die Gemische durch eine Summierung der effektiven Konzentrationen toxische Wirkungen besitzen.

Auswirkungen

Gerade Risikogruppen wie Kinder sind oft unterschiedlichen Pestizidwirkstoffen gleichzeitig ausgesetzt. Derartige Mehrfachexpositionen können viel schädlicher sein als die Exposition einzelner Wirkstoffe. Gewisse Kombinationen von Pestiziden können zum Beispiel Änderungen in den Schilddrüsenwerten verursachen, die nicht auftreten, wenn die Chemikalien einzeln getestet werden. Schilddrüsenwerte sind unter anderem sehr wichtig für die Entwicklung des Gehirns. Aus der Sicht des Konsumentenschutzes sollte daher ein Summengrenzwert ermittelt werden, welcher aber nicht gesetzlich gefordert ist. Hier besteht dringender Bedarf zur Novellierung der betreffenden gesetzlichen Bestimmungen.

Wären Summengrenzwerte gesetzlich vorgeschrieben, würden viel häufiger pflanzliche Nahrungsmittel, welche aufgrund mehrfacher Pestizidbelastung die Gesundheit gefährden, vom Markt genommen.

Man wisse zwar heute, dass Pestizide mitverantwortlich für die Entstehung von Krankheiten sind, unklar seien aber noch die exakten Wirkungsmechanismen. Auch, wenn Obst und Gemüse gleich mit mehreren Pestizidsorten („Pestizidcocktails“) kontaminiert sind. Es sei offen, wie sich die Kombination der Substanzen – auch wenn sie im Grenzbereich bleiben – im Körper entfalte.

So waschen Sie Obst richtig

Es sind nicht nur Belastungen von Pestiziden, die Obst und Gemüse verunreinigen, auch Schmutz und Keime können sich bei Herstellung, Verpackung und Transport ansammeln. Obst zu waschen macht daher definitiv Sinn. Allerdings ist dies von Obst zu Obst unterschiedlich praktikabel. Was bei Äpfeln und Birnen einfach ist, macht bei Erdbeeren und Himbeeren schon weit mehr Aufwand. Wir haben daher die wichtigsten Infos zusammengefasst, wie Sie Obst richtig waschen und möglichst effektiv von Umweltbelastungen befreien können.

1. Waschen geht vor Schälen, da sich die meisten Nährstoffe direkt unter der Schale befinden würden sonst wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen.

2. Mit warmem Wasser waschen: Obst mit essbarer Schale kurz vor dem Verzehr unter fließendem warmen, nicht heißen Wasser gründlich waschen und danach mit einem sauberen Küchentuch trocken reiben.

3. Selbstgemachter Obst- und Gemüsereiniger: Emfindliche Früchte wie Erdbeeren, Himbeeren usw. könne Sie mit einer Mischung aus Wasser un Apfelessig waschen. Vermischen Sie dafür 1 Esslöffel Zitronensaft, 1 Esslöffel Apfelessig und 250 ml Wasser. Der Reiniger lässt ich in eine saubere Sprühflasche abfüllen und hält etwa 6 Monate. Einfach das Obst und Gemüse mit dem Reiniger einsprühen und ca. 10 Minuten warten. anschließend die Lebensmittel gut mit lauwarmem Wasser abspülen.

4. Effektiv aber mühsam: Waschen in Natronlauge

Forscher der University of Massachusetts haben 2017 nachgewiesen, dass eine Mischung aus Backnatron (Back Soda) und Leitungswasser, Obst sehr effektiv von Pestiziden auf der Schale befreien kann, wenn dieses zumindest 15 Minuten darin badet. Nachteil: 15 Minuten Wartezeit sind doch ein recht hoher Aufwand für ein Stück Obst.

5. Die beste Lösung: Kaufen Sie Obst und Gemüse in Bioqualität, möglichst saisonal und regional. Zwar sind auch da Umweltgifte nicht gänzlich auszuschließen, doch die Mengen sind wesentlich geringer, sofern überhaupt nachweisbar.

Zu den am häufigsten belasteten Obstsorten zählten im Jahr 2016 laut einer Auswertung des Deutschen Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aus über 14.000 Proben:

Himbeeren (82,9 Prozent der Proben)
Johannisbeeren (81 Prozent)
Grapefruit (80,8 Prozent)
Weintrauben (Tafeltrauben 79,3 Prozent)
Pfirsiche (77,4 Prozent)
Erdbeeren (75,3 Prozent)

Es folgen: Marillen, Grapefruit und Mandarinen.

Ausweg Bio-Lebensmittel ?

Was also tun? Auch Rhomberg ist ratlos: „Es ist eine brutale Welt. Jene, die es sich leisten können, können auf Bioprodukte umsteigen. Die anderen müssen notgedrungen die kontaminierten Sachen verzehren. Es ist ja auch innerhalb des Agrarsystems kaum möglich, großflächig Bioprodukte anzubieten.“

————–

Quelle:

¹
²
³

Fotohinweis: sofern nicht extra anders angegeben, Fotocredit by Fotolia.com

Linktipps

– Pestizide, Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel
– Wieviel Gift ist in unserem Essen?
– Ernährungscorner: Die richtige Lebensmittellagerung
– Lebensmittelkennzeichnung: Inhaltsstoffe verstehen


Das könnte Sie auch interessieren...